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Mangos und Bananenschalen – Über das Myrcen

Die Menschheit sucht seit jeher nach Mitteln, um die psychoaktive Wirkung von Cannabis entweder zu verstärken, zu ersetzen oder auf eine andere Art und Weise zu beeinflussen. Auf diesem erkenntnisreichen Pfad haben sich zahlreiche Möglichkeiten offenbart. So bekommt man zu hören, dass der Verzehr von Mangos die Wirkung ankurbeln kann, ebenso wie man durch Bananenschalen, wenn sie richtig zubereitet sind, ebenfalls etwas spüren kann. Was diese Phänomene mit dem Myrcen auf sich haben, wollen wir im Folgenden behandeln.


Früchte zum Cannabis

Auch in letzter Zeit kursierten zahlreiche Videos, in denen Menschen Bananenschalen besonders zubereitet haben. In der Regel wird die Innenseite der Schalen abgekratzt und dieser Rest in die Mikrowelle gegeben, bis man diese Überreste der Banane zwischen den Fingern zu einem feinen Pulver zerreiben kann. Anschließend in einen Joint gepackt, soll man anscheinend eine psychotrope Wirkung wahrnehmen können.

Mit diesem Phänomen in Verbindung steht, dass Mangos angeblich die psychoaktive Wirkung von Cannabis verstärken können. Gelegentlich wird erzählt, man müsste die Mango davor essen, andere meinen, sie gehöre zum Joint dazu. Beide dieser Mythen sind auf dieselbe Basis zurückzuführen: das Myrcen. Hierbei handelt es sich um ein bekanntes Terpen, welches die Welt des Cannabis bereits mehrmals auf den Kopf gestellt hat. Man kann Myrcen tatsächlich isoliert kaufen, um es sogar zusätzlich dem Cannabis beizufügen. Was steckt dahinter?

CBD Produkte mit dem Terpen Mycren

Das Myrcen

Das Myrcen ist ein Terpen. Das sind nicht-psychoaktive organische Verbindungen, die einen sehr starken aromatischen Geruch ausstrahlen. Sie werden wie die Cannabinoide aus den Trichomen des Cannabis abgesondert. Folglich sind die Terpene für das typische Aroma von Hanf verantwortlich, seinen gesamten Geruch und Geschmack kann man auf die Terpene zurückführen. Ihre Funktion in der Natur ist, die Pflanze zu schützen. Durch den intensiven Geruch können beispielsweise Schädlinge und Krankheiten abgewehrt werden, während im selben Zuge etwaige Bestäuber angelockt werden.

Man bezeichnet das Myrcen als eines der zehn primären Terpene des Cannabis, weil es eines derjenigen ist, welches am häufigsten vorkommt. Den charakteristischen Geruch von Myrcen beschreibt man damit, dass er besonders erdig riecht und zudem eine kleine Konnotation von Moschus aufweisen kann, was das Bild von Gewürznelken in den Kopf zaubert. Fruchtnoten aus der roten Traube und dem Balsamico machen sich aufmerksamen Nasen erkennbar.

Das Myrcen ist ein Vorläufer für einige weitere Terpene, die man darum sekundäre Terpene nennt. In bestimmten Sorten kann der Anteil an Myrcen 50 % aller Terpene ausmachen. Interessanterweise entsteht bei den meisten Sorten mit so hohen Anteilen Myrcen ein besonders intensiver sedativer Effekt, den man ansonsten auf die Gattung Indica zurückführen würde. Selbstverständlich erfüllt das Terpen einige therapeutische Zwecke. So kann man es einsetzen, um chronische Schmerzen und Entzündungen zu lindern.

Wie Myrcen mit den Cannabinoiden interagiert

Terpene können Cannabinoiden dabei helfen, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Das ist insbesondere für das THC wichtig, da dieses hauptsächlich an CB1-Rezeptoren andockt, die man nun größtenteils im Gehirn findet. Folglich unterstützen Terpene allgemein diese Überwindung der Blut-Hirn-Schranke, das Myrcen an und für sich ist jedoch nicht dafür verantwortlich. 

Dieser Effekt hat mit dem Entourage-Effekt zu tun, welcher die symbiotische Wechselwirkung von Terpenen und Cannabinoiden im Menschen beschreibt. Hierzu muss man ganz klar sagen, dass man dann den besten Entourage-Effekt hat, wenn man ein möglichst breites Spektrum an Wirkstoffen der Hanfpflanze konsumiert. Folglich ist es der falsche Ansatz, lediglich das Myrcen aus dieser Sammlung herauszunehmen und diesem wichtige Eigenschaften zuzuschreiben. Es ist die Gesamtheit an Cannabinoiden und Terpenen, die etwas bewirken. Der alleinige Fokus auf das Myrcen ist nicht der richtige Ansatz.

Myrcen macht nicht high

Wie wir sehen konnten, ist das Myrcen an und für sich nicht dazu imstande, eine psychoaktive Wirkung zu hervorrufen. Über den Entourage-Effekt hat es jedoch einen bestimmten Einfluss auf die Wirkung der Cannabinoide. Dieser Entourage-Effekt entsteht jedoch nicht lediglich aufgrund des Myrcenes, sondern aufgrund der Gesamtheit an Terpenen und Cannabinoide, die man im Hanf finden kann. Das schließt noch nicht aus, dass in Zukunft noch zahlreiche weitere therapeutische Anwendungen für das Myrcen gefunden werden können und dass man über die Terpene Cannabispflanzen tiefer gehender beeinflussen kann.