Hanf in der japanischen Kultur

Hanf ist tief in der japanischen Kultur verwurzelt und wird dort seit tausenden Jahren angebaut und verwendet. Trotzdem ist Cannabis in Japan illegal und Besitz oder Verkauf wird mit hohen Strafen geahndet. Dazu ist seit Ende des Zweiten Weltkriegs die Verwendung als Medizin in Japan verboten. Die Japaner, die vor Jahrtausenden Hanfpflanzen an die Höhlenwände malten, würden über diese Gesetze vermutlich den Kopf schütteln.


Die Geschichte des Hanfes in Japan

Schon Tausende Jahre lang wird Hanf in Japan angebaut. Tatsächlich wächst die Pflanze dort auch wild. Was die Historie der Hanfpflanze angeht, kann man sich auf Junichi Takayasu verlassen. Er ist der Kurator eines Instituts namens Taima Hakubutsukan, Japans einzigem Hanfmuseum. Im Gespräch mit The Japan Times erzählt er über den Hanf in Japan. So soll der erste Cannabisfund Japans aus der Jomon-Periode stammen. Diese ist irgendwo zwischen 10000 bis 500 vor Christus zu datieren. Diese Funde stammen aus dem Westen Japans und bestanden aus Cannabisfasern und Cannabissamen. Höchstwahrscheinlich wurden diese Pflanzenteile für Kleider, Bogensehnen und Angelschnüre verwendet. Dazu weisen antike Höhlenmalereien ebenfalls auf eine gesellschaftliche Relevanz der Cannabispflanze hin. Die Bilder erinnern an die Cannabispflanze, mit extrem dünnen Stielen und der charakteristischen Blattform.

Zugegebenermaßen lassen sich nur spärlich Befunde für das Vorkommen von Cannabis finden. Eine weitere historische Erwähnung versteckt sich im Manyoshu, einem Sammelband für Gedichte aus dem 8. Jahrhundert. Auch als Bestandteil des Trainings der Ninjas wurde die Pflanze verwendet. So sollten diese täglich über die Cannabispflanze springen, welche für ihr rapides Wachstum bekannt ist. In die Rüstungen der Samurais wurde Hanf ebenfalls verbaut. Ansonsten gibt es noch Holztafeldrucke aus dem 17. Jahrhundert, welche Frauen und Bauern beim Spinnen von Cannabisfasern und der Hanfernte zeigen.

Eine große Bedeutung kommt der Hanfpflanze im Shintoismus zu, einer traditionellen japanischen Religion. Die Priester dieser Ideologie glaubten daran, dass Cannabis die Luft reinigt. Um sich also von negativen Geistern zu befreien, schwenkten sie die Pflanzenteile durch die Luft. Häufig waren Cannabisblätter Bestandteil von Brautkleidern, da diese Reinheit repräsentieren sollten. Der historische Schnitt fand am Ende des Zweiten Weltkriegs statt. Ob das aufgrund der amerikanischen Besatzung in Japan veranlasst wurde oder nicht, kann keiner genau sagen, jedenfalls wurde zu dieser Zeit Cannabis gesetzlich verboten. Verantwortlich ist der amerikanische General MacArthur, der das Cannabiskontrollgesetz 1948 verabschiedete.

Aus heutiger Sicht müsste man diese Tat als politische Willkür betrachten, zuvor gab es kein spezifisches Problem mit dem Konsum von Hanf. An zahlreichen Orten im Land wuchs Hanf sogar wild und bereicherte das Leben der Japaner. Hoch anrechnen muss man dem damaligen japanischen Kaiser, dass er mindestens Anbaugenehmigungen für die Bauern sicherte. Dadurch konnte die lokale Hanfindustrie weiterbestehen, die seit jeher Kleider, Papier und weitere Produkte aus Hanf herstellt.

Die Rechtslage von Cannabis heute

Heute ist der Hanf also illegal und unerwartet hohe Strafen erwarten Besitzer von Hanf. So kann der Besitz von Cannabis in Eigenbedarfsmenge bereits mit fünf Jahren Gefängnis und zwei Millionen Yen Geldstrafe bestraft werden. Was noch zum Eigenbedarf zählt, wird gesetzlich nicht festgelegt, darum entscheidet das jeweilige Gericht darüber. Anfang 2019 hat sich die Situation für Drogenkonsumenten in Japan verschärft. Seither treten viel mehr Promis vor Gericht. Oftmals reicht allein schon die Anklage, dass man Drogenkonsument sei, aus, um die Karriere eines Stars zu beenden. Das war beispielsweise im Jahr 2016 mit dem Schauspieler Hiroki Narimiya der Fall. Die Firma Sega stellte sogar den Verkauf ihres eigenen Spiels Judgment ein, da ein Schauspieler des Drogenkonsums bezichtigt wurde

Selbstverständlich ist auch der Anbau sowie der Handel mit Hanf in Japan verboten. Insofern Hanf industriell hergestellt wird, ist er als legal anzusehen. Das verdanken die japanischen Hanfbauern dem Kaiser Hirohito, der trotz des Cannabiskontrollgesetzes die Bauern weiterhin anbauen ließ. 1950 gab es so knapp 25.000 Cannabisanbaubetriebe. Mit dem Gang der Zeit sank diese Zahl jedoch zunehmend. Medizinisches Marihuana lässt sich in Japan seit dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls nicht mehr finden. Produkte mit Cannabidiol (CBD) sind seit 2016 jedoch erlaubt. Cannabissamen sind im Übrigen im Cannabiskontrollgesetz als illegale Substanz aufgeführt. Hierbei handelt es sich um eine Grauzone, da der Besitz unter Umständen nicht geahndet wird. Auf der sicheren Seite ist man jedenfalls, wenn man sterilisierte Samen hat, die nicht mehr keimen können. Diese darf man sogar nach Japan verschicken. 

Keine Unterscheidung zwischen weichen und harten Drogen

Die Unterscheidung zwischen weichen und harten Drogen fällt in Japan geringfügig aus. Wer Amphetamine oder Heroin besitzt, kann mit bis zu 10 Jahren und 5 Millionen Yen Geldstrafe bestraft werden. Der große Unterschied zum Besitz von Cannabis besteht darin, dass man bei härteren Drogen zwangsläufig für ein Jahr ins Gefängnis wandert. Bei Cannabis muss diese Freiheitsstrafe nicht ausgehängt werden. Die meisten Richter jedenfalls verteilen viele Freiheitsstrafen, wobei man als Ausländer in der Regel lediglich Geldstrafen zu erwarten hat. 

Cannabis ist unbeliebt – wird aber populärer

Die Mehrheit der Bürger befürwortet die strengen Regelungen in Bezug auf Cannabis. Die japanische Regierung bittet sogar die Bürger darum, sich in legalisierten Ländern weiterhin von Cannabis fernzuhalten. Diese öffentliche Einstellung gegenüber Hanf zeigt sich in der Tatsache, dass zahlreiche Prominente ihre Karriere beenden müssen, wenn sie mit Drogenkonsum in Verbindung gebracht werden. Die Popularität von Hanf steigt jedoch in letzter Zeit zunehmend. Das belegt eine Umfrage des National Center of Neurology and Psychiatry aus dem Jahr 2018. Diese Untersuchung deckt auf, dass immer mehr junge Menschen davon überzeugt sind, dass Kleinstmengen von Hanf erlaubt werden sollten.

2016 wurden 471 Fälle in Verbindung mit Cannabis an die Polizei gemeldet. Im Folgejahr waren es auf einen Schlag 3800. Zurückgehalten wird die gesellschaftliche Rolle von Cannabis jedenfalls durch den Preis, 50 € verlangen Dealer je Gramm. An dieser Stelle sollte man auch nicht dazu verleitet werden, dass Japan von Engeln bewohnt wird und dort niemand Drogen konsumiert. Beliebter als das Cannabis sind dort Amphetamine, die wohlhabenderen japanischen Bürger konsumieren vorrangig Speed. 

Hanf in Japan – eine vergessene Geschichte

Die Wurzeln der Hanfpflanzen ragen tief in den japanischen Grund. Nicht unbedingt als Genussmittel fand die Pflanze dort Verwendung, die nützlichen industriellen Eigenschaften wurden hervorgehoben. So stimmt es fast schon traurig, dass nach Ende des Zweiten Weltkriegs die gesellschaftliche Stellung der Hanfpflanze derart herabgesetzt wurde. Insbesondere, weil es sich um politische Willkür gehandelt hat, steigt das Mitleid für alle Prominenten und normalen Bürger Japans, die aufgrund der momentanen Gesetzeslage ihre Karriere beenden mussten.